G bis K - Ostergedichte


Ostern Ostergedichte Ostergedicht Gedichte Ostern


Hanns von Gumppenberg



Ostern

Heute, da Osterluft weht,
Darfst du den Zauberspruch wagen,
Seele, daß dir auch ersteht,
Was du zu Grabe getragen.

Liebe zu allem, was ist -
Einst in jungfeurigen Stunden,
Ob du viel klüger nun bist,
Hast du doch rechter empfunden!

Glauben an alles, was schafft
Mitten im wüsten Vernichten,
Und an den Sieg der Kraft
Ueber das Treiben von Wichten!

Hoffnung auf alles, was hell
Einst dich gelockt in die Weiten -
Kamst du ans Ziel nicht so schnell,
Krönen dich kommende Zeiten!

Rufe hinab in die Nacht,
Drinnen die drei sich verborgen:
Auf, ihr Begrabnen, erwacht!
Steigt an den goldenen Morgen!

Siehe, sie starben dir nicht,
Die dich dem Leben verbanden -
Und wie sie tauchen ans Licht,
Fühlst du dich selber erstanden.

Hanns von Gumppenberg


Karl Henckell



Ostern

Und wir schritten durch Schleier, und jeder sah
Wie blind der Erde Gefild,
Und wieder hob sich auf Golgatha
Im Nebel das blutige Bild

Und wieder bebte der Erde Grund,
Versank die Lichtwelt in Nacht,
Und die Liebe neigte sich todeswund
Und sprach: "Es ist vollbracht!"

O die wir gewandelt in Dunkelheit
Und gelitten in Kreuz und Not,
Wir hungern nach wahrer Gerechtigkeit
Und dürsten nach neuem Gebot.

Wir recken die schaffenden Hände zum Licht
Für unser Leben und Land,
Und aus dem Schoße der Himmel bricht
Ein Strahl, der die Finsternis bannt.

Wir schöpfen die Himmel, wir schöpfen den Strahl
Aus des eigenen Volkes Schoß,
Und wir erzeugen in Krampf und Qual
Der Menschheit schöneres Los.

Und wir schreiten in stählender Lüfte Wehn
Durch der kreißenden Erde Gefild - -
Und das blutende Leben muß auferstehn
In erblühender Zukunft Gebild.

Karl Henckell


Ein Oster-Requiem

Der Jünger am Grabe

Was stehst du trauernd,
Ewiger Sehnsucht Freund,
Am Grab des Liebsten,
Welchen der Tod verschlang?
Was birgst dein Haupt du,
Schmerzbeschattet,
Und suchst des Menschen
Göttlich Antlitz,
Ach, vergebens?

Der selbst sein Kreuz trug,
Dornengekrönter Held,
Gepeitscht mit Ruten,
Weil in der Wahrheit Wehr
Er zeugen mußte
Wider Weltwahn
Vom innern Himmel-
Reich der Liebe,
Fürst des Lebens.

Der auch der Schönheit
Rose gesegnet - sieh!
Die Schwester brachte
Blühenden Abschiedsgruß
Dem sonnenmilden
Herzerlöser.
Betaut von Tränen
Irrt Maria
Bleich im Garten...

Auf Schöpferschwingen
Freudegefilden zu,
Du gramgebeugter
Freund des Erhabenen,
Schwebt der geschmähte
Menschen-Meister
Und thront zur Rechten
Gottes, wo die
Strahlend-Unsterblichen warten.

Karl Henckell


Arno Holz



"Vom Turme klangen die Osterglocken"

Vom Turme klangen die Osterglocken
Über des Kirchhofs trauernde Gruft,
Und gleich verwehten Blüthenflocken
Verschwamm ihr Klang in der Morgenluft.
Mich aber riefen sie in die Weite
Und ließen mich nicht im dumpfen Haus,
Und unter der Osterlieder Geleite
Zog ich die Straßen zum Thore hinaus.

Weit hinter mir im Morgendämmer
Sich das Gemäuer der Stadt verlor,
Und selbst das Pochen der Eisenhämmer
Traf nur gedämpft noch an mein Ohr.
Doch dehnte sich immer weiter und weiter
Vor meinen Blicken der sonnige Gau,
Und jauchzend auf tönender Himmelsleiter
Schwang sich die Lerche ins Aetherblau.

Da stand ich denn nun am Waldesrande
Mit meinen Gedanken so ganz allein
Und sah tief unter mir die Lande
Liegen im flimmernden Sonnenschein.
Und als dann den letzten Zweifel zu rauben,
Ein Schäfer noch blies auf seiner Schalmei,
Da wollte ich es selbst nicht glauben,
Daß Tod die Lösung des Räthsels sei.

Da schien mir alles verweht und vergangen,
Was ich betrauerte winterlang;
Und alle Saiten des Herzens klangen
Zusammen im Auferstehungsgesang.
O, solche Seelenklänge dringen
Weit höher noch in die Himmel empor,
Als je auf seinen Flatterschwingen
Ein Vogel sich in der Luft verlor!

Ja, Fest der Ostern, nun warst du gezogen
Auch endlich in diese verödete Brust;
Und dies Herz, das so oft schon das Leben betrogen,
Erzitterte wieder von süßer Lust
Und schlägt nun der hohen Feier entgegen,
Die über die Erde zu gießen verheißt
Den herrlichsten aller himmlischen Segen,
Den welterlösenden, heiligen Geist.

Der heilige Geist ist die ewige Liebe,
Die Gott in die Herzen der Menschen gesenkt,
Und die mit jedem Ostertriebe
Von neuem sich zum Lichte drängt.
Sie schwebt herab vom Himmelssaale
Zu Jedem, der an sie noch glaubt -
O neige, neige die goldene Schaale
Auch hier auf dieses Beterhaupt!

Arno Holz


Klabund



Ewige Ostern

Als sie warfen Gott in Banden,
als sie ihn ans Kreuz geschlagen,
ist der Herr nach dreien Tagen
auferstanden.

Felder dorren. Nebel feuchten.
Wie auch hart der Winter wüte:
Einst wird wieder Blüt' bei Blüte
leuchten.

Ganz Europa brach in Trümmer,
und an Deutschland frißt der Geier, -
doch der Frigga heiliger Schleier
weht noch immer.

Leben, Liebe, Lenz und Lieder:
Mit der Erde mag's vergehen.
Auf dem nächsten Sterne sehen
wir uns wieder.

Klabund


Karl Ernst Knodt



Zum Karfreitag

Auf das Bild des ausgestreckten Christus von Holbein

Du bist mein Bruderfreund in allem.
Ein Mensch warst Du und gleichwie ich.
Ich seh Dich lieben, leiden, sterben
und ausgestreckt im Grab, wie mich.

Dein ganzer Körper ist ein "Amen"
auf uns, geboren von dem Weib.
Und doch umatmen andre Lüfte
Dein Haupt und Deinen toten Leib.

Auf Deinen Lippen lebt als leiser
Akkord der Laut: "Es ist voll-bracht!",
und schon durchbebt den lieben Leichnam
der Keim der Auferstehungsmacht.

Das Auge schaut die Himmel offen,
vom Erdendunkel sieht es nichts;
und weinen auch noch alle Wunden,
sie überscheint der Gral des Lichts.

O Liebe Du, die ausgestrecket
um unsretwillen also liegt:
mehr bist Du als ein Mensch. Im Sterben
hast Du den Tod gottstark besiegt!

Karl Ernst Knodt


Am Abend vor Gethsemaneh

Des Meisters letzter Weg. Die letzte Nacht im Tale
Der roten Rosen und der roten Wundenmale.

Wie sich der Rosen Duft der zarten Mandelblüte
So zaubrisch mischt - ein Bild der Schönheit und der Güte.

Der Meister achtet's nicht. In ganzer Andacht ranken
An einem anderen Holz empor die Gottgedanken.

Wienah das Kreuz, das grauende! Wienah die goldneKrone!
Schon ruft der Vater deutlich dem verklärten Sohne.

... Die Mutter auch verlangt's in dieser Geisterstunde
Nach einem Lösungswort aus dem geliebten Munde.

Durch's abendliche Thal schleicht sie mit müden Schritten,
Mit weichstem Mutterlaut den Sohn um eins zu bitten.

"Mein Kind, du rastest hier auf unbequemen Steinen,
Und doch - wie wartend winkt das stille Haus der Deinen.

Wie wohnt die Mutter nah!" - Er aber haucht: ,Wie ferne!
Hör! Meine Heimat baut sich bald auf anderm Sterne.

Mein Vater, meine Mutter, meine Brüder leben
Mir aller Orten. Alle will Ich zu mir heben,

O Mutter, denke nicht, du seist vom Sohn vergessen,
- Ein Reich muss ich erbauen, ewig, unermessen,

Wo Menschen aller Zungen, aller Nationen
Als Kinder eines Vaters ewig werden wohnen.

Dass sie das Ziel erreichen, dass sie heim sich finden -
Muss Ich durch Meinen Tod sie lösen von den Sünden.

Das ist mein Weg, mein nächster. Lege mir hienieden
Noch einmal deine Hand auf's Haupt! Nun geh in Frieden!'

Die Mutter schreitet in die Nacht, ein Schwert im Herzen.
Er aber geht gefasst den Weg der schwersten Schmerzen.

Zwei Tage später glühn auf Golgatha zusammen
Der Menschen- und der Gottes-Liebe reinste Flammen.

Karl Ernst Knodt


Ein Karfreitagsbild

Als heut ich durch die Felder ging,
Das Herz voll heiliger Schauer,
- Rings um die Welt ein Schleier hing,
Ein Schleier drückender Trauer.

Auf einmal brach mit Macht hervor
Der Sonne siegend Zeichen,
Davor der Nebel bleicher Chor
Entwich, ein scheuer Reigen.

Ich dachte jener Liebesmacht,
Die auch wie eine Sonne,
- Als Jesus rief: 'Es ist vollbracht!'
Die Nacht durchbrach mit Wonne.

Karl Ernst Knodt


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